Gebärmutterhalskrebsvorsorge ab dem 01.01.2020

Ab dem 01.01.2020 wird sich für alle Frauen in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge etwas ändern. Bereits im Sommer 2019 wurde der Beschluss gefasst, dass sich die Vorgehensweise bei der Vorsorge des Gebärmutterhalskrebses ändern muss.

Änderung 1

Grob gesagt, wird die weibliche Bevölkerung in zwei Altersgruppen geteilt. In eine Gruppe im Alter von 20-34 Jahren und eine weitere Altersgruppe >34 Jahren. Diese Vorgehensweise hat erhebliche Auswirkungen auf die Vorsorgeuntersuchung.

(Abklärungskolposkopie) erfolgen, wie bisher, falls Auffälligkeiten des Abstriches zu verzeichnen sind. Generell erfolgt bei unauffälligem Abstrich keine Diagnostik auf HPV!

Frauen in der älteren Altersgruppe haben diesen jährlichen Anspruch auf einen Abstrich nicht mehr, sofern dieser in beiden Tests unauffällig ist oder wieder unauffällig wird. Beide Tests? Ja, ab 01.01.2020 bekommen alle Frauen in dieser Altersgruppe grundsätzlich nicht nur einen Abstrich, sondern auch einen Test auf HPV. Diese Frauen bekommen dann nur noch alle drei Jahre diesen kombinierten Abstrich.

Argumentiert wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Zum einen sei es aus anderen Gesundheitssystemen bekannt, dass die jährliche Kontrolle keinen Vorteil gegenüber Kontrollen in verlängerten Intervallen bringen würde, Daten würden dieses belegen. Der andere Blickwinkel ist, dass diese Daten allesamt aus Ländern stammen, in denen es keinen freien Zugang zu Spezialisten gibt und Frauen schon lange per Einladung an eine bevorstehende Untersuchung in einem Zentrum oder einem dafür ausgestatteten Ort erinnert werden (z.B. wie in Holland, den nordischen Staaten oder England).

In Deutschland exisitiert – noch – die freie Arztwahl, die mit Sicherheit durch solche Maßnahmen in Zukunft eingeschränkt werden wird.

Alle Frauen haben jetzt und in Zukunft immer noch das Recht die komplette Krebsvorsorge Frau jährlich wahrzunehmen, mit dem Unterschied, dass der Abstrich in der älteren Altersgruppe nur noch alle 3 Jahre durchgeführt werden wird.

Änderung 2

Wir haben in Deutschland eine hohe Teilnahmerate an der Krebsfrüherkennung bei den Frauen, jedoch liegt die Quote mit <60% der regelmäßigen Teilnahme nicht sehr hoch. Damit sich dieses ändert, wurde zudem beschlossen, dass alle Frauen ab dem 20. Lebensjahr alle fünf Jahre an die Untersuchung erinnert werden.

Klartext:
Frauen zwischen 20-34 haben Anspruch auf eine jährliche Untersuchung, werden aber nur alle 5 Jahre erinnert?
Frauen zwischen 35 und 65 haben Anspruch auf eine dreijährige Untersuchung, werden aber auch nur alle fünf Jahre erinnert?

Änderung 3

Für alle Frauen mit einem auffälligen Abstrich kommt jedoch eine Neuerung hinzu. Sobald gewisse Kriterien der Auffälligkeit erfüllt sind, müssen diese Veränderungen durch eine spezielle „Abklärung“ weiter untersucht werden. Das kann entweder die „eigene“ Praxis machen oder es wird durch eine Fremdpraxis durchgeführt.
Auf diesen beiden Seiten ist das Vorgehen genauer erklärt.

Altersgruppe 20-34
Altersgruppe über 34

Primär bedeuter dabei die erste Untersuchung in der bisherigen Praxis, Abklärung bedeutet die weitergehende Untersuchung bei einem auffälligen Befund in einer möglicherweise fremden Praxis.

Test auf Down-Syndrom wird Kassenleistung?

Seit 2013 gibt es die Möglichkeit, dass per Blutanalyse aus dem mütterlichen Blut, ohne Gefährdung des werdenden Kindes Chromosomenveränderungen bestimmt werden können. Dieses nennt man NIPT oder auch Nichtinvasive Pränataltests. Bei der Analyse des Chromosoms 21 kommen die Tests immerhin auf eine Sensitivität (die richtig-richtig Rate) von über 99%. Bei anderen Chromosomen sind die Tests bei weitem nicht so gut, zudem gibt es eine Ausfallquote der Tests von 2-3%. Letzteres bedeutet, dass in 2-3% die Probe nicht analysierbar ist und KEIN Ergebnis mitgeteilt wird.

Pränataltests und die Geschlechtsdiagnose

Einige Patientinnen lassen im Rahmen der Schwwangerschaft einen vorgeburtlichen Test auf genetische Erkrankungen in nichtinvasiver Form (Blutentnahme bei der Mutter) durchführen, s.g. NIPT. Ein „Abfallprodukt dieser Test ist die Bestimmung des Geschlechtes. Der Test kann in den meisten Fällen problemlos ab der 11. Woche durchgeführt werden, das Ergebnis liegt häufig 4-5 Tage später vor. Daher werden wir auch gerne nach dem Geschlecht des Kindes gefragt, in der Annahme, wir würden dieses bereits durch den Test wissen, aber den Schwangeren Frauen „verheimlichen“ weil wir es vor der 14+0 Woche nicht bekannt geben dürfen.

Dem ist so nicht, das GenDG gilt für alle Beteiligten dieser Analyse, auch für die Firmen, welche den NIPT durchführen und das Ergebnis liefern. In den Ergebnisblättern steht daher bis zum 14+0 Tag lediglich ein Datum, an dem die Praxen dann erneut ein Fax oder einen Brief bekommen, in welchem das Geschlecht offen gelegt wird.

Nachbohren hilft also nicht……..

Krebsvorsorge ohne Abstrich?

In einem Beitrag des Ärztblattes wird eine Entscheidung der United States Preventive Services Task Force (USPSTF) zitiert, nach der in Zukunft eine Empfehlung des alleinigen Tests auf HPV alle 5 Jahre ab dem 30.-65. Lebensjahr in den USA empfohlen wird.  Momentan ist das konventionelle Screening in dieser Altersgruppe noch auf drei Jahre angelegt.

Berücksichtigt wird dabei, dass eine deutlich höhere Falsch-positiven Quote geben wird, als beim konventionnellen Test. Was deutsche Frauen nicht schocken sollte, dieses Vorgehen ist bei uns nicht geplant. Was mir sauer aufstösst, ist die Tasache, dass alle anderen Körperregionen, welche auch zur „deutschen Vorsorge“ dazugehören, völlig ausgeklammet werden. Frau besteht also ab 30 nur noch aus einem Gebärmutterhals.

Beratung rund um das Thema Verhütung und Schwangerschaft

Die erste Anlaufstelle für solche Themen ist in Deutschland fast immer der Frauenarzt/die Frauenärztin. Es gibt aber sicher Situationen, in den ggf. von Dritter Seite Informationen gewünscht sind. Hierzu gibt es seit einiger Zeit Beratungsstellen für diese Themen.

Auf der Website Familienplanung.de finden Sie zusätzliches Informationsmaterial und natürlich Anlaufstellen. Dazu müssen Sie lediglich rechts auf den Button Ihre Postleitzahl und Stadt eingeben, dann bekommen Sie eine „mehr oder weniger gut“ gefilterte Liste der Beratungsstellen.

Neuer Service in der Praxis

Nach Ostern führen wir Stück für Stück einen neuen Service für unsere Patientinnen ein. Eine App, mit der Sie Terminerinnerungen von uns bekommen können (selbst für Termine, welche ein Jahr im Voraus gemacht wurden), Informationen direkt von der Praxis und auch mit der Praxis kommunizieren können. Dieser Service gilt zunächst nur für unsere Bestandspatientinnen, ist aber ausweitbar. In zukunft bieten wir ggf. auch noch eine Videosprechstunde, z.Zt. jedoch ist das noch Zukunftsmusik.

Laden Sie die auf Ihr Smartphone und nutzen Sie den Service.

So funktioniert das Ganze, bitte den Link folgen: Hier

Die App ist kostenfrei im App Store für Android oder IOS (Apple) verfügbar.