Neues aus Berlin 

GESUNDHEITSPOLITIK KOMPAKT

Digitalisierung beim Arzt: Was ändert sich für Sie als Patientin oder Patient?

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) treibt die Digitalisierung des Gesundheitswesens spürbar voran. Krankschreibung, Überweisung, Patientenakte und Terminvergabe sollen digitaler und stärker miteinander verzahnt werden. Was gut gemeint klingt, wirft aber auch wichtige Fragen auf – vor allem, wenn es um Ihren persönlichen Arzttermin geht. Diese Übersicht erklärt die wichtigsten Punkte in einfachen Worten.

1. Die elektronische Krankschreibung (eAU)

Wenn Sie krank sind, stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Krankschreibung heute schon digital aus. Ihre Krankenkasse leitet die Information automatisch an Ihren Arbeitgeber weiter – der gelbe Zettel auf Papier ist für gesetzlich Versicherte weitgehend Geschichte.

Neu diskutiert wird gerade: Die Bundesregierung plant, dass Sie Ihrem Arbeitgeber schon ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen (bisher erst ab dem 4. Tag). Die telefonische Krankschreibung soll komplett abgeschafft werden.

Wichtig zu wissen:

• Für Privatversicherte läuft die Krankschreibung weiterhin auf Papier.

• Studien zeigen: Nicht die telefonische Krankschreibung hat den Krankenstand erhöht, sondern vor allem die bessere digitale Erfassung selbst.

2. Die elektronische Überweisung

Überweisungen zum Facharzt sollen künftig ebenfalls komplett digital laufen, statt auf Papier. Dieser Schritt wird sowohl von Ärzteverbänden als auch von den Krankenkassen unterstützt und gilt als technisch vergleichsweise unstrittig.

3. Die elektronische Patientenakte (ePA) wird ausgebaut

Die ePA ist die digitale Akte, in der Befunde, Arztbriefe und Medikamente gespeichert werden. Seit 2025 haben fast alle gesetzlich Versicherten automatisch eine solche Akte – außer sie haben aktiv widersprochen.

Ministerin Warken will die ePA zum „zentralen Dreh- und Angelpunkt“ Ihrer Behandlung machen. Künftig sollen darüber auch eine Ersteinschätzung Ihrer Beschwerden, die Terminbuchung und – über ein nationales Forschungsdatenzentrum – die Nutzung Ihrer Daten für Forschung und Industrie laufen.

Was bedeutet ein Widerspruch (Opt-out) gegen die ePA für Sie?

Sie können der ePA jederzeit ganz oder teilweise widersprechen – ein Grundrecht, das ausdrücklich bestehen bleibt. Wer dies aus Datenschutzgründen tut, verliert dadurch aber möglicherweise den Zugang zu Zusatzfunktionen, die künftig an die ePA-App gekoppelt werden sollen: etwa die digitale Ersteinschätzung, die App-gestützte Terminvermittlung oder Erinnerungen an Vorsorgetermine. Im Ergebnis entsteht eine Zwei-Klassen-Situation: Wer aus guten Gründen widerspricht, wird nicht formal bestraft, aber faktisch schlechter erreicht und organisatorisch benachteiligt. Das untergräbt den Sinn eines echten Widerspruchsrechts, das ja gerade ohne Nachteile möglich sein soll.

4. Der wichtigste Punkt für Sie: Die Terminvergabe

Bisher gilt: Ihre Arztpraxis entscheidet freiwillig, welche freien Termine sie an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (die bekannte Nummer 116117) meldet. Der Praxiskalender bleibt in der Hand Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.

Neu geplant ist, dass die Terminvergabe direkt in die ePA-App integriert wird – verbunden mit einer automatisierten Ersteinschätzung Ihrer Beschwerden. Das bedeutet: Ein digitales System außerhalb der Praxis soll künftig mitbestimmen, wann, wie dringend und bei wem Sie einen Termin bekommen.

Übersicht: Bisher und geplant

Thema

Bisher

Geplant / neu

Krankschreibung (eAU)

Arzt meldet Krankschreibung elektronisch an die Krankenkasse, Arbeitgeber ruft sie ab.

Attestpflicht soll schon ab dem 1. Krankheitstag gelten; telefonische Krankschreibung soll wegfallen.

Überweisung

Meist noch Papier oder PVS-intern.

Elektronische Überweisung wird bundesweit ausgerollt – Zustimmung von Ärzteschaft und Kassen.

Elektronische Patientenakte (ePA)

Digitale Ablage für Befunde, Arztbriefe, Medikationsplan.

Soll zur zentralen „Gesundheitsplattform“ ausgebaut werden: Ersteinschätzung, Terminvergabe, Forschungsdatenanbindung.

Terminvergabe

Praxis meldet freiwillig freie Termine an die Terminservicestelle (116117) der KV.

Terminvergabe soll direkt in die ePA-App integriert werden, inkl. automatischer Ersteinschätzung.

 

Kritische Würdigung: Was bedeutet das konkret für Sie?

Ihr individueller Terminwunsch könnte an Gewicht verlieren

Wenn nicht mehr Ihre vertraute Praxis, sondern ein zentrales System entscheidet, welcher Termin für Sie als passend gilt, sinkt der Einfluss darauf, wen Sie behandeln lassen möchten und wann genau. Eine automatisierte Ersteinschätzung kann nicht dasselbe leisten wie das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, die oder der Sie und Ihre Vorgeschichte kennt.

 Besonders betroffen: Schwangere und Tumorpatientinnen

 Besonders sensibel wird die externe Terminsteuerung dort, wo Termine keine austauschbare Routine sind, sondern einem engen, medizinisch vorgegebenen Zeitfenster folgen:

• Schwangere: Die Vorsorgeuntersuchungen im Mutterschutz folgen einem festen, medizinisch begründeten Rhythmus. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt kennt Ihren Schwangerschaftsverlauf und kann kurzfristig genau den Termin einschieben, der jetzt nötig ist. Eine externe, algorithmisch gesteuerte Terminstelle kennt diesen individuellen Verlauf nicht und könnte Ihnen einen späteren oder unpassenden Termin zuweisen, obwohl in Ihrer Praxis eigentlich ein passender Slot vorgesehen wäre.

• Tumorpatientinnen und -patienten: Nach einer Krebsdiagnose zählt oft jeder Tag. Die betreuende Praxis reserviert dafür häufig kurzfristig eigene Termine außerhalb des regulären Kalenders. Wird die Steuerung an eine externe Stelle mit standardisierter Ersteinschätzung ausgelagert, besteht die Gefahr, dass diese dringende Behandlungskontinuität nicht erkennt und Termine nach einem allgemeinen Dringlichkeitsschema statt nach der individuellen Krankengeschichte vergibt.

In beiden Fällen gilt: Je weiter die Terminhoheit von der behandelnden Praxis wegverlagert wird, desto größer wird das Risiko, dass medizinisch notwendige, individuelle Terminwünsche einem starren, externen Verfahren zum Opfer fallen. Für reine Routinetermine mag eine zentrale Steuerung vertretbar sein – bei Schwangerschaftsvorsorge und onkologischer Nachsorge braucht es aus fachlicher Sicht zwingend weiterhin ein Vorrangrecht der behandelnden Praxis.

Wer entscheidet künftig über Ihren Arzttermin?

Aktuell ist klar geregelt, wer verantwortlich ist: Ihre Praxis. Bei einer Kopplung an die ePA-App würde diese Verantwortung teilweise auf eine technische Plattform verlagert, die von der Gematik – einer Einrichtung, an der auch das Gesundheitsministerium selbst beteiligt ist – gesteuert wird. Verbraucherschützer (u. a. der Verbraucherzentrale Bundesverband) warnen bereits, dass eine enge Verknüpfung von Terminvergabe und ePA einen indirekten Druck erzeugen könnte, die ePA zu nutzen – wer nicht mitmacht, könnte es schwerer haben, zeitnah einen Termin zu bekommen.

Freie Arztwahl und die Unabhängigkeit Ihrer Praxis

Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ist der eigene Terminkalender ein zentrales Element ihrer freiberuflichen, selbstständigen Praxisführung. Wandert die Steuerungshoheit über Termine zu einer externen, zentral gesteuerten Plattform, verschiebt sich Macht von der Praxis vor Ort zu einer bundesweiten Institution. Das betrifft nicht nur die Ärzteschaft – es betrifft auch Sie: Je zentraler gesteuert wird, wer wann behandelt wird, desto weniger bleibt der persönliche, vertrauensbasierte Kontakt zwischen Ihnen und Ihrer Praxis der Ausgangspunkt der Versorgung.

Datenschutz und Widerspruchsrecht

Sie haben grundsätzlich das Recht, der ePA und einzelnen Funktionen zu widersprechen. Kritisch wird es aber, wenn wichtige Alltagsfunktionen – wie eben die Terminvergabe – zunehmend nur noch über die ePA-App laufen. Wer widerspricht, könnte dann faktisch schlechter gestellt sein, obwohl das Widerspruchsrecht formal weiter besteht.

Ihre Daten für Forschung und Industrie – ungeklärte Sicherheitsfragen

Ministerin Warken will deutlich mehr Gesundheitsdaten in Echtzeit an ein nationales Forschungsdatenzentrum (FDZ) übermitteln – nutzbar auch für Pharmaunternehmen. Offiziell sollen die Daten dafür „pseudonymisiert“ werden, das heißt: Ihr Name wird durch einen Code ersetzt.

Sicherheitsforscherinnen und -forscher des Chaos Computer Clubs (CCC) haben wiederholt – zuletzt auf dem Kongress in Hamburg – Sicherheitslücken in der ePA-Architektur aufgezeigt, über die sich in bestimmten technischen Szenarien unberechtigt auf Patientendaten zugreifen ließ. Die Gematik hat die konkret gemeldeten Lücken jeweils geschlossen, betont aber selbst, dass ein vollständig sicherer Betrieb erst mit weiteren technischen Maßnahmen erreicht wird. Grundsätzlicher ist der Einwand von CCC und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), die gegen die zentrale Speicherung beim Forschungsdatenzentrum vor dem Berliner Sozialgericht klagen: Ein Pseudonym lässt sich – anders als eine echte Anonymisierung – nicht rückstandsfrei von der Person lösen. Schon ein Arztbrief kann allein durch Diagnose, Behandlungsverlauf und Zeitangaben so spezifisch sein, dass ein Rückschluss auf die konkrete Patientin oder den Patienten möglich bleibt.

Für Sie bedeutet das: Auch wenn Ihre Daten formal „pseudonymisiert“ in die Forschung fließen, ist eine theoretische Re-Identifizierung nach Einschätzung der Kritiker nicht ausgeschlossen – ein Umstand, den die Verantwortlichen bislang nicht ausräumen konnten. Zudem ist gegen die Aufnahme in das Forschungsdatenzentrum bislang kein eigenes Widerspruchsrecht vorgesehen, was Teil der laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung ist.

Fazit

Digitalisierung kann Abläufe in der Arztpraxis erleichtern – bei der Überweisung ist das schon heute gut gelungen. Bei der Terminvergabe jedoch besteht die Gefahr, dass Ihr individueller Wunsch nach einem bestimmten Termin bei Ihrer vertrauten Ärztin oder Ihrem vertrauten Arzt zugunsten einer zentral gesteuerten, automatisierten Logik in den Hintergrund tritt – mit besonderem Risiko für Schwangere und Tumorpatientinnen, deren Behandlung kein starres Zeitraster verträgt. Wer der ePA aus Datenschutzgründen widerspricht, sollte dafür keine organisatorischen Nachteile erleiden. Und solange ungeklärt ist, ob Ihre Gesundheitsdaten in der Forschungsnutzung wirklich anonym bleiben, ist Zurückhaltung bei der Datenweitergabe eine nachvollziehbare, legitime Entscheidung. Patientinnen und Patienten sollten diese Entwicklung aufmerksam verfolgen – und darauf achten, dass die freie Wahl von Praxis und Termin auch in einem digitalen Gesundheitswesen erhalten bleibt.

Diese Übersicht ersetzt keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung. Stand: Juli 2026.

Neues aus der Frauenheilkunde und Sozialpolitik

Liebe Patienntinnen, liebe Leserinnen und Leser, in der ersten Jahreshälfte 2026 gab es mehrere fachliche Neuerungen, die für die gynäkologische Versorgung von Bedeutung sind. Wir möchten Sie an dieser Stelle über die wichtigsten Entwicklungen informieren – verständlich aufbereitet und mit Blick darauf, was sich für Sie als Patientin konkret ändert oder relevant werden könnte.

 

1. HPV-Impfung: Aktualisierte Empfehlungen und neue Aufklärungsinitiative

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Impfempfehlungen für 2026 in mehreren Punkten überarbeitet. Für die HPV-Impfung selbst bleibt es bei der bewährten Empfehlung: Mädchen und Jungen sollten im Alter von 9 bis 14 Jahren geimpft werden, wobei zwei Impfdosen im Abstand von mindestens fünf Monaten ausreichen. Wird die Impfung erst ab 15 Jahren begonnen, sind drei Dosen notwendig. Ein Nachholen ist bis zum 18. Geburtstag möglich und sinnvoll.

Hintergrund dieser Empfehlung ist die nach wie vor unbefriedigende Impfquote: Nur etwa 55 % der 15-jährigen Mädchen und 36 % der gleichaltrigen Jungen sind in Deutschland vollständig geimpft. Da HPV-Infektionen jährlich rund 10.000 Krebserkrankungen verursachen – etwa 7.000 davon bei Frauen, vor allem Gebärmutterhalskrebs –, ist eine frühzeitige Impfung der wirksamste Schutz, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt.

Neu ist, dass das Paul-Ehrlich-Institut zusammen mit der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen ein bundesweites Konzept zur besseren Aufklärung vorgelegt hat; ein eigenes „HPV-Impfjahr” ist für 2028 in Planung. Wir nutzen diese Entwicklung, um Eltern und junge Patientinnen in unserer Praxis weiterhin aktiv und gezielt zur HPV-Impfung zu beraten.

2. Brustkrebs: Überarbeitete S3-Leitlinie mit Fokus auf individuellere Therapie

Im Januar 2026 wurde die zentrale medizinische Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Brustkrebs) grundlegend aktualisiert. Sie wurde unter Beteiligung zahlreicher Fachgesellschaften neu strukturiert und umfasst nun 27 Themenbereiche.

Für Sie als Patientin bedeutet das vor allem: Behandlungen werden künftig noch gezielter auf das individuelle Krankheitsbild abgestimmt. Anhand bestimmter Tumormerkmale lässt sich heute genauer bestimmen, welche Medikamente im jeweiligen Fall am wirksamsten sind. Gleichzeitig setzt die neue Leitlinie verstärkt auf schonendere Operationsverfahren, um unnötige Eingriffe zu vermeiden. Erstmals wurden außerdem Empfehlungen zu bislang weniger beachteten Themen aufgenommen, etwa zur Brustrekonstruktion nach einer Operation und zu seltenen Tumorformen.

Brustkrebs bleibt mit etwa 74.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Dank Früherkennung und verbesserter Behandlungsmöglichkeiten haben die meisten Patientinnen heute eine gute Prognose. Die Brustkrebs-Vorsorge bleibt daher ein zentraler Bestandteil unseres Angebots.

3. Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft: Klarere Behandlungsempfehlungen

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Schwangerschaft und betreffen in Deutschland jährlich bis zu 600.000 Frauen. Auf dem diesjährigen Fortbildungskongress der Frauenärztinnen und Frauenärzte wurde ein neuer Expertenkonsens vorgestellt, der die Behandlung dieser Beschwerden klarer regelt.

Bei leichten Beschwerden empfehlen sich weiterhin einfache Maßnahmen wie kleinere, häufigere Mahlzeiten, das Vermeiden auslösender Gerüche sowie Ingwerpräparate. Reichen diese nicht aus, gilt die Wirkstoffkombination aus Doxylamin und Pyridoxin (Vitamin B6) als Mittel der ersten Wahl – sie erhielt im Expertengremium eine einstimmige Zustimmung. Diese Kombination ist seit Jahrzehnten erprobt, in Deutschland seit 2019 für diese Indikation zugelassen und zeigt auch über lange Anwendungszeiträume keine erhöhten Risiken für das ungeborene Kind.

Wichtig zu wissen: Eine frühzeitige Behandlung kann verhindern, dass sich die Beschwerden zu einer sogenannten Hyperemesis gravidarum verstärken, einer ausgeprägten Form mit erheblichem Flüssigkeits- und Gewichtsverlust. Sprechen Sie uns daher gerne frühzeitig an, wenn Sie unter starker Übelkeit in der Schwangerschaft leiden – eine Behandlung muss nicht erst bei schweren Symptomen beginnen.

4. Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Engere Kontrollen, längere Nachsorge

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Fachtagungen war der Umgang mit hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, insbesondere der Präeklampsie. Neue Studiendaten zeigen, dass schon Blutdruckwerte ab 140/90 mmHg als behandlungsbedürftig gelten und eine engere Kontrolle mit Zielwerten um etwa 135/85 mmHg das Risiko für eine schwere Verlaufsform deutlich senken kann.

Besonders betont wurde zudem die Bedeutung der Zeit nach der Geburt. Frauen, die während der Schwangerschaft einen erhöhten Blutdruck hatten, tragen auch danach ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine strukturierte Nachsorge über die ersten Wochen nach der Geburt hinaus wird daher künftig als selbstverständlicher Bestandteil der Betreuung verstanden – ebenso wie die Empfehlung, auf einen gesunden Lebensstil zu achten, um das langfristige Risiko zu senken.

Wir werden diesen Aspekt in der Schwangerenvorsorge und in der Nachsorge nach der Geburt entsprechend berücksichtigen, insbesondere wenn während der Schwangerschaft erhöhte Blutdruckwerte aufgetreten sind.

5. Strukturelle Entwicklungen in unserer Praxis

Über die fachlichen Neuerungen hinaus möchten wir Sie auch über organisatorische Punkte informieren, die unsere Praxis im laufenden Jahr betreffen:

• Die berufspolitischen Verbände weisen aktuell auf einen wachsenden Fachkräftemangel in der Frauenheilkunde sowie auf zunehmende bürokratische Anforderungen hin. Wir setzen uns dafür ein, dass dies möglichst wenig zu Lasten der persönlichen Betreuungszeit unserer Patientinnen geht, und passen unsere internen Abläufe entsprechend an.

• Sollte es im Laufe des Jahres zu Änderungen unserer Öffnungszeiten, unseres Praxisteams oder unseres Leistungsangebots kommen, informieren wir Sie selbstverständlich gesondert und rechtzeitig an dieser Stelle sowie durch Aushänge in der Praxis.

• Digitale Angebote und Dokumentationsprozesse werden im Hintergrund kontinuierlich weiterentwickelt, mit dem Ziel, Wartezeiten zu verkürzen und mehr Zeit für das persönliche Gespräch zu schaffen.

 

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Übersicht einen verständlichen Einblick in die aktuellen Entwicklungen der Frauenheilkunde gegeben zu haben. Bei Fragen zu einzelnen Themen – etwa zur HPV-Impfung für Ihr Kind, zur Brustkrebsvorsorge oder zur Betreuung in der Schwangerschaft – sprechen Sie uns gerne jederzeit in einem persönlichen Termin an.

Ihr Praxisteam

Hitzewelle in Deutschland und Schwangerschaft

Hitzewelle und Schwangerschaft: Was hochschwangere Frauen jetzt wissen sollten

Deutschland erlebt derzeit eine außergewöhnlich heiße Phase mit Temperaturen von teils über 35 Grad und auch nachts kaum Abkühlung. Für hochschwangere Frauen ist das eine besondere Belastung – ihr Körper arbeitet bereits auf Hochtouren, und Hitze kommt da als zusätzlicher Stressfaktor hinzu.

Was passiert im Körper bei Hitze?

In der Spätschwangerschaft zirkuliert deutlich mehr Blutvolumen als sonst, das Herz pumpt schneller, und die Haut ist stärker durchblutet, um Wärme abzugeben. Bei großer Hitze gerät dieses System zusätzlich unter Druck: Es kann zu spürbaren Wassereinlagerungen in Beinen und Füßen, zu Schwindel, Kreislaufschwäche oder einem schnelleren Puls kommen. Auch Wehen können durch Hitze und Flüssigkeitsmangel früher ausgelöst werden, da Austrocknung die Hormonausschüttung beeinflusst, die für vorzeitige Kontraktionen verantwortlich ist. Manche Frauen bemerken zudem, dass sich ihr Bauch bei Hitze härter oder fester anfühlt – ein Hinweis darauf, dass der Körper auf die Belastung reagiert.

Was Sie persönlich tun können

  • Trinken Sie regelmäßig, nicht erst bei Durst – am besten 2,5 bis 3 Liter über den Tag verteilt, vorzugsweise Wasser oder ungesüßte Kräutertees.
  • Meiden Sie die größte Hitze zwischen 11 und 17 Uhr; Erledigungen und Bewegung lieber in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen.
  • Leichte, luftige Kleidung aus Naturfasern und ein Sonnenhut helfen, die Körpertemperatur niedrig zu halten.
  • Kühlende Maßnahmen wie ein feuchtes Tuch im Nacken, ein Fußbad oder eine lauwarme Dusche bringen schnelle Erleichterung.
  • Füße hochlegen, wann immer möglich, das entlastet Kreislauf und Venen.
  • Auf Warnzeichen achten: Bei starkem Schwindel, Herzrasen, sehr wenig Wasserlassen, plötzlicher Schwellung oder vorzeitigen Wehen sollten Sie sich umgehend bei Ihrer Frauenärztin oder Hebamme melden.

Ernährung und Flüssigkeit

Schwere, fettige Mahlzeiten belasten den Kreislauf zusätzlich. Besser sind kleine, leichte Portionen mit viel wasserhaltigem Gemüse und Obst wie Gurke, Melone oder Tomaten. Eine Prise Salz in den Mahlzeiten ist bei starkem Schwitzen ebenfalls wichtig, da der Körper über den Schweiß auch Mineralstoffe verliert. Alkoholfreies Bier, verdünnte Saftschorlen oder elektrolythaltige Getränke können helfen, den Mineralhaushalt auszugleichen – auf stark gezuckerte oder koffeinhaltige Getränke sollte dagegen verzichtet werden, da sie dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entziehen.

Drei hilfreiche Links

Take-Home-Message

Hitze ist für jeden Körper anstrengend – für hochschwangere Frauen aber besonders, da Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und Hormonsystem gleichzeitig gefordert sind. Wer ausreichend trinkt, die Mittagshitze meidet, leicht isst und auf Warnzeichen wie Schwindel oder vorzeitige Wehen achtet, kann die aktuelle Hitzewelle gut überstehen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel bei der Hebamme oder Frauenärztin nachfragen als zu wenig.

Impfungen von Schwangeren gegen RSV

Seit 08-2023 sind durch Europäische Arzneimittelbehörde zwei Impfstoffe gegen den s.g. RS-Virus zugelassen worden. Warum ist das für Schwangere mit oder ohne einem weiteren Kind interessant und wichtig?
Eltern von in den letzten Jahren schwer erkrankten Kindern kennen die Antwort aus leidlicher Erfahrung.
Der Virus ist und war in der Vergangenheit für eine erhebliche Zahl an z.T. schwerwiegenden Infekten von Kindern und auch Erwachsenen verantwortlich. Das führte zu einer teilweise Überbelastung von Kliniken, Ambulanzen und Praxen, speziell Kinderarztpraxen. In Frankfurt konnten Kinder lokal nicht mehr wegen Überfüllung im Krankenhaus aufgenommen werden. Leider bietet die Infektion keinen anhaltenden Schutz gegen eine erneute Infektion!

Leider hat die Stiko bislang keine Stellungnahme zu dieser Impfung abgegeben, weshalb offiziell keine Kasse den nicht ganz billigen Impfstoff (213€ Stand 25.01.24) per Rezept erstattet. Interessierten bleibt daher nur die Anfrage bei Ihrer Kasse/Versicherung auf Kostenübernahme. Dabei unterstützen wir Sie mit einem Anschreiben.

Interessant ist aber z.B., dass die DAK einen Experten auf Ihrer Website zu Wort kommen lässt, vielleicht bedeutet dieses ja, dass diese Kasse zu einer Erstattung bereit ist?

Vor – und Nachteile von NIPT

NIPT (Nicht-Invasive Pränataldiagnostik) ist eine Methode, um bestimmte genetische Abweichungen beim ungeborenen Kind während der Schwangerschaft zu identifizieren. Hier sind einige Vor- und Nachteile von NIPT:

Vorteile von NIPT:

  • NIPT ist eine nicht-invasive Methode, die keine Risiken für das ungeborene Kind oder die schwangere Frau birgt, im Gegensatz zu invasiven Tests wie Fruchtwasseruntersuchung oder Chorionzottenbiopsie, die ein höheres Risiko für Komplikationen haben.
  • NIPT ist sehr genau bei der Erkennung von genetischen Abweichungen wie dem Down-Syndrom, dem Edwards-Syndrom und dem Patau-Syndrom. Es hat eine hohe Empfindlichkeit und Spezifität, was bedeutet, dass es sehr selten zu falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen kommt.
  • NIPT kann in der frühen Schwangerschaft durchgeführt werden, und das Ergebnis kann innerhalb weniger Tage erhalten werden, was den Eltern mehr Zeit gibt, sich auf eine mögliche Diagnose vorzubereiten.

Nachteile von NIPT:

  • Mangel an Informationen: NIPT kann nicht alle chromosomalen Anomalien erkennen und gibt keine Informationen über andere Aspekte der Gesundheit des Fötus, wie z.B. körperliche Anomalien oder genetische Störungen.
  • NIPT ist teurer als herkömmliche Screening-Tests und wird von den meisten Krankenversicherungen nicht vollständig abgedeckt. Es kann auch für viele Paare unerschwinglich sein. Mittlerweile wird unter bestimmten Bedingungen der Test auf Trisomie 21,18, und 13 von den Krankenkassen vollständig übernommen.
  • Ein positives NIPT-Ergebnis kann Angst und Stress bei den Eltern auslösen, auch wenn es sich später als falsch herausstellt. Es kann auch zu einer unangemessenen Behandlung führen, z. B. einer Abtreibung, wenn das Ergebnis falsch positiv ist.
  • Es ist wichtig, dass Paare, die über NIPT nachdenken, die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen und sich von einem Facharzt beraten lassen, um eine informierte Entscheidung zu treffen.

Das Thema Maske und COVID-19

Liebe Patientinnen, auch wenn es ab morgen Lockerungen der bisherigen COVID-19 Beschränkungen geben wird, die Maskenpflicht in den Praxen, die Hygienemaßnahmen und die zahlenmäßigen Beschränkungen werden zunächst bleiben. In Anbetracht der Vielzahl der Schwangeren und Tumorpatientinnen können und wollen wir uns das bewusste Eingehen von Risiken, welche nur dem Kniefall vor einer Miniaturpartei und nicht von wissenschaftlicher Expertise gedankt ist, nicht leisten.

Damit bleibt es zunächst alles beim Alten. Im Interesse Ihrer eigenen Gesundheit hoffen wir auf Ihr Verständnis.

Begleitung in unserer Praxis

Liebe Patientinnen, aufgrund der stark gestiegenen Inzidenzen, speziell hier in Frankfurt, werden wir ab sofort Partner als Begleitung, zum Beispiel bei einer Untersuchung ihrer schwangeren Partnerin, nur noch mit einem tagesaktuellen COVID – 19 Antigen Schnell Test zulassen.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, aber die mittlerweile tagesaktuelle Lage, lässt uns keine andere Wahl.