Kassen zahlen!

Möglicherweise kommt es in den nächsten Monaten für Tausende von Frauen zu einer erleichternden Entscheidung! Seit Jahren existieren auf dem Markt Biomarker Tests, welche die Aktivität von Tumorgenen im Tumormaterial messen. Diese gehen auf unterschiedliche Art und Weise vor, einer der bekanntesten ist Onkotype DX. Wird dieser Test bei einer bestimmten Subgruppe von an Brustkrebs erkrankt Frauen eingesetzt, kann dieser dabei die Entscheidung unterstützen, ob eine Frau noch eine Chemotherapie benötigt, oder auf diese verzichtet werden kann. Dieses ist von erheblicher Bedeutung, da Chemotherapien bekanntermaßen erhebliche Nebenwirkungen haben können.

Natürlich wird dieser Test nicht bei allen an Brustkrebs erkrankten Frauen eingesetzt. Es gibt Gruppen bei dieser Erkrankung, bei denen von vornherein klar ist, das eine Chemotherapie unbedingt notwendig ist, oder unbedingt verzichtbar ist.

Im gemeinsamen Bundesausschuss (G – BA) wurde jetzt am 20.6.2019 der Beschluss gefasst, dass dieser Test unter bestimmten Voraussetzungen bei Frauen mit Brustkrebs eingesetzt werden soll und von den Kassen bezahlt werden soll.

Von welchen Kosten reden wir? Momentan kostet dieser Test circa 3.000 €!

Fürchterlich!

Im Februar diesen Jahres gab die BILD eine Jubelmeldung über den Test auf Brustkrebs der Universität Heidelberg ab. Wie mittlerweile bekannt, existiert weder der marktreife Test, noch irgendwelche Studien dazu, welche aussagekräftig sind.

Noch schlimmer, die bekannten Daten weisen darauf hin, dass der „Test“ bei 46% aller Frauen fälschlicherweise einen Brustkrebs diagnostiziert hätte!

Diese Daten müssen wohl existiert haben, wie das RWI in Essen darstellt.

Für die Frauen eine grauenhafte Vorstellung, mit fast 50% Wahrscheinlichkeit durch einen Test zu einer Kranken gestempelt zu werden.

Traurig für die Frauen

So wurde zunächst allen Frauen bei der Diagnostik auf Brustkrebs Hoffnung gemacht, dass über einen Bluttest die Diagnose gestellt oder ausgeschlossen werden könnte. Leider eine totale Ente! Damit müssen alle Frauen weiterhin zur Mammographie, zum Schall oder auch zur körperlichen Untersuchung. Diese Methoden sind nicht schlecht, sondern durchaus gut und etabliert. Die PR Mitteilung der Universität Heidelberg jedoch weckte die Hoffnung, dass man mittels eines einfachen Bluttestes darauf verzichten hätte können und das bei einer extrem hohen Genauigkeit.

Wie sich jetzt herausstellt, ist der Test weit von der Marktreife entfernt und hat noch nicht einmal entsprechende Studien hinter sich. Also ein Schnellschuss…..

Was hat die Verantwortlichen geritten, sich dermaßen ins Aus zu schiessen?

Das Sommerloch in der Presse nähert sich

Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man den neuesten Artikel in Spiegel online über die so genannten Selbstzahlerleistungen in den Arztpraxen liest. Interessant wird dieser Artikel allerdings diesmal besonders, wenn man in dem Forum darunter die Meinungen von vielen Foristen dazu liest. Fast einmütig wüten diese gegen die Krankenkassen, welche die Selbstzahlerleistung ja generell verteufeln. Für ein Forum in Spiegel online recht erstaunlich.

Wie mies diese Artikel recherchiert wurde, kann man allerdings auch durch perfektes Weglassen von Einzelheiten erkennen. Erstens stimmt der Teilsatz über den Berufsverband der Augenärzte so nicht, dieses wird im Forum weiter unten auch erwähnt. Zweitens sind es die Kassen selbst, die trotz besseren Wissens in der Nachbetreuung von Brustkrebspatientinnen einen Ultraschall der Brust fordern, weil dieser ja zwingend notwendig sei. Das steht so in keiner Leitlinie. In Hessen zumindest wird dieser jedoch noch nicht einmal bezahlt, auch wenn viele Ärzte ihn innerhalb der ersten fünf Jahre in der Nachuntersuchung durchführen oder durchführen lassen. Falls die Kassen gerne mal mit einer Frau sprechen möchten, bei der bei uns im Ultraschall ein bösartiger Befund entdeckt wurde, welcher jedoch nicht in der Mammographie darstellbar, damit also ein Leben gerettet wurde, wir stellen gerne den Kontakt her. Gleiches gilt für die Aussage der Kassen bei übergewichtigen Patienten, bei denen sie eine Durchführung eines vaginalen Ultraschallalles fordern, weil ansonsten ja keine adäquate Aussage über den Zustand von Gebärmutter Eileiter oder Eierstöcken zu treffen sei.

Was denn nun, einmal völliger Unsinn, zum zweiten aber unbedingt notwendig?

Brustkrebsscreening

Jede Frau kann ein Lied davon singen, das Thema Mammographie und Brustkrebsscreening. Dieses Screening ist seit 2007 in Deutschland etabliert und umstritten wie kaum eine andere Screeninguntersuchung.

Wie auch auf unserer Website schon mehrfach berichtet, sind die Gründe dafür sehr sehr differenziert.

Zum einen haben wir natürlich alle intuitiv Angst vor einer Bestrahlung. Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung, findet alle zwei Jahre statt, im Laufe von 20 Jahren also zehnmal. Damit erhöht sich das Brustkrebsrisiko alleine durch diese Bestrahlung ein wenig. Die wenigsten Frauen denken allerdings bei ihrem Urlaubsflug nach Mallorca, Menorca, auf die Kanaren, nach Dubai oder nach Übersee an die Bestrahlung. Die Bestrahlung während eines Achtstundenfluges ist jedenfalls deutlich höher als die einer einmaligen Mammographie alle zwei Jahre.

Deutsche Daten weisen darauf hin, dass auch das zweite Thema, der Überdiagnose, wohl offensichtlich nicht ganz so häufig auftritt wie befürchtet. Ob dieses nun ein deutsches Phänomen ist, weil die Daten einfach noch zu gering sind, bleibt dahingestellt.

Interessant ist auf jeden Fall, dass die aufgedeckten Brustkrebsfälle, in 50 % der Fälle einen besonders aggressiven Tumor aufwiesen. Wir nennen das G3. Quelle

Interessanterweise, das Hauptthema für unsere Patienten, nämlich die Schmerzen beim „Quetschen der Brust“, ist natürlich in dieser Studie kein Thema. Für die Frauen jedoch ist es offensichtlich eine der häufigsten Gründe, der Mammographie fern zu bleiben.

Ist damit die Ultraschalluntersuchung der Brust eine nennenswerte Alternative? Ja und nein. Ja, nicht als Alternative aber als hervorragend ergänzende Untersuchung. Im Ultraschall werden durchaus Befunde entdeckt, die nicht in der Mammographie sichtbar sind. Nein, in der Mammographie werden Befunde entdeckt, die im Ultraschall nicht sichtbar sind. Idealerweise wäre es also günstig beide Untersuchungen durchzuführen.

Habe ich ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs?

Viele Frauen stellen sich diese Frage, da im familiären Umfeld die Erkrankung vorkommt oder sogar häufiger vorkommt. Ein Konsortium hat definiert, in welchen Fällen sich „Frau“ an ein Zentrum wenden könnte oder sollte, um weitere Fragen zu klären. Diese sind:

mind. drei Frauen mit Brustkrebs, unabhängig vom Alter
mind. zwei Frauen mit Brustkrebs, davon eine Erkrankung vor dem 51. Lebensjahr
mind. eine Frau mit Brustkrebs und eine Frau mit Eierstockkrebs
mind. zwei Frauen mit Eierstockkrebs
mind. ein Mann mit Brustkrebs
mind. eine Frau mit Eierstockkrebs und ein Mann mit Brustkrebs
mind. eine Frau mit Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
mind. eine Frau mit beidseitigem Brustkrebs, wobei die Ersterkrankung vor dem 51. Geburtstag war
mind. eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs
mind. eine Frau mit triple-negativem Brustkrebs vor ihrem 51. Lebensjahr*
mind. eine Frau mit Eierstockkrebs vor ihrem 71. Lebensjahr*
ein Mann mit Brustkrebs*

*Diese Kriterien werden zur Zeit im Rahmen von Studien weiter untersucht

Falls etwas davon zutrifft, gehen Sie auf die Seite eines Zentrums und informieren sich über die weiteren Schritte. Hier finden Sie weitere Informationen: