Das Sommerloch in der Presse nƤhert sich

Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man den neuesten Artikel in Spiegel online über die so genannten Selbstzahlerleistungen in den Arztpraxen liest. Interessant wird dieser Artikel allerdings diesmal besonders, wenn man in dem Forum darunter die Meinungen von vielen Foristen dazu liest. Fast einmütig wüten diese gegen die Krankenkassen, welche die Selbstzahlerleistung ja generell verteufeln. Für ein Forum in Spiegel online recht erstaunlich.

Wie mies diese Artikel recherchiert wurde, kann man allerdings auch durch perfektes Weglassen von Einzelheiten erkennen. Erstens stimmt der Teilsatz über den Berufsverband der AugenƤrzte so nicht, dieses wird im Forum weiter unten auch erwƤhnt. Zweitens sind es die Kassen selbst, die trotz besseren Wissens in der Nachbetreuung von Brustkrebspatientinnen einen Ultraschall der Brust fordern, weil dieser ja zwingend notwendig sei. Das steht so in keiner Leitlinie. In Hessen zumindest wird dieser jedoch noch nicht einmal bezahlt, auch wenn viele Ƅrzte ihn innerhalb der ersten fünf Jahre in der Nachuntersuchung durchführen oder durchführen lassen. Falls die Kassen gerne mal mit einer Frau sprechen mƶchten, bei der bei uns im Ultraschall ein bƶsartiger Befund entdeckt wurde, welcher jedoch nicht in der Mammographie darstellbar, damit also ein Leben gerettet wurde, wir stellen gerne den Kontakt her. Gleiches gilt für die Aussage der Kassen bei übergewichtigen Patienten, bei denen sie eine Durchführung eines vaginalen Ultraschallalles fordern, weil ansonsten ja keine adƤquate Aussage über den Zustand von GebƤrmutter Eileiter oder Eierstƶcken zu treffen sei.

Was denn nun, einmal vƶlliger Unsinn, zum zweiten aber unbedingt notwendig?

FolsƤure und Kinderwunsch

Es ist seit langem bekannt, dass Folsäure der wesentliche Faktor in der Verhinderung von s.g. Neuralrohrdefekten ist. Trotzdem ist seit Jahren keine Senkung der Häufigkeit zu sehen. Eine der Gründe ist, dass die Nahrung heutzutage kaum mehr als 200µg Folsäure hergibt, gleichzeitig aber bis zu 550µg Folsäure als Bedarf in der Schwangerschaft dagegen stehen. Der wichtigste Zeitraum der zusätzlichen Einnahme ist bis zur 6.-8. Woche einer Schwangerschaft, weil in dieser Zeit sich der biologische Umbau vollzieht bei dem die Folsäure besonders wichtig ist; dem Schluss des Rückens und z.B. auch der Lippen-Kiefer-Gaumen Region.

Daher ein Appell an alle Paare mit Kinderwunsch sich rechtzeitig mit einem Folsäurepräparat zu versorgen, am Besten 4-6 Wochen vor der Empfängnis oder mit der letzten Pillenpackung! Die empfohlene Dosis beträgt in diesem Zeitraum 800µg Folsäure, da davon ungefähr die Hälfte in aktives Folat umgewandelt wird. Nur dieses ist vom Körper verwertbar.

Der Checkup 35

Sie sind Ƥlter als 35 und gehen regelmäßig für eine „Kontrolle“ zu Ihrem Hausarzt oder Internisten? Dann sind Sie sicherlich bereits mit dem Ausdruck Checkup35 konfrontiert worden.

Abgesehen von medizinisch vorgebildeten Personen dürften aber die wenigsten wissen, was das eigentlich exakt bedeutet. Die Meisten werden wahrscheinlich so gutglƤubig sein, dass „Mann“ komplett untersucht wird. Falls das so sein sollte, z.B. mit einem EKG einem sehr ausführlichen Laborpanel und ggf. sogar anderen apparativen Untersuchungen; herzlichen Glückwunsch, Ihr Hausarzt macht mehr als er im Routinefall soll, warum auch immer.

Hier mal die Auflistung, was alles in den Checkup35 gehƶrt, bitte nicht enttƤuscht sein, wie wenig dieser Gesundheitstest umfasst.

  • Ausführliches GesprƤch
  • Eine vollstƤndige kƶrperliche Untersuchung
    Dabei werden Herz, Lunge, Kopf, Hals, Bauch, Wirbelsäule, Bewegungsapparat, Nervensystem und Sinnesorgane überprüft, um abweichende oder krankhafte Befunde feststellen zu können.
  • Die Entnahme einer Blutprobe
    Diese wird dann im Labor ausgewertet und gibt Aufschluss über Cholesterin– und Blutzuckerwerte. Anhand dieser Werte kann der Arzt erkennen, ob zum Beispiel der Verdacht auf eine Zuckerkrankheit besteht.
  • Das Messen des Blutdrucks
    Zusammen mit dem Cholesterinwert kann der Blutdruck auf Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) oder für einen Herzinfarkt hinweisen.
  • Die Untersuchung des Urins
    Hinweise auf Nieren- und Blasenerkrankungen, aber auch eine Zuckerkrankheit lassen sich auf dem Teststreifen der Urinprobe ablesen.

Wer mehr bekommt ist entweder krƤnker oder krank oder hat einen Hausarzt, welcher verantwortlich handelt.