Die nächste Breitseite gegen die Patienten.

Haben Sie sich in der Vergangenheit, speziell in den letzten Tagen, als benachteiligter Kassenpatient gefreut?

Böse Formulierung?

Nein, damit sind die Menschen gemeint, die aufgrund der ausgelasteten Praxen nicht, oder nur unter wirklich schwierigen Umständen, bei einem Facharzt einen Termin bekommen.

Dem soll Abhilfe geschaffen werden. Unser Bundesgesundheitsminister Spahn hat das Terminservice- und Versorgungsgesetz auf den Weg gebracht. Ein wesentlicher Inhalt davon, ist die Ausweitung der Aktivität der Terminvereinbarungs-, oder Terminservicestellen der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie kennen diese nicht? Damit befinden sie sich in guter Gesellschaft. Diese Stellen sind schon seit über einem Jahr eingerichtet worden und haben zur Aufgabe, bei Problemen mit der Vergabe eines Facharzttermins den Menschen dabei zu helfen, einen solchen zu bekommen. Die Notwendigkeit erscheint speziell den dort Arbeitenden ziemlich fraglich, denn die Häufigkeit der Anfragen liegt teilweise am Tag im einstelliger Bereich.

Ärzte mit einem so genannten vollen Versorgungsauftrag sollen mit diesem Gesetz gezwungen werden mindestens 25 Stunden Sprechzeiten für Kassenpatienten anzubieten. Sie sollen auch gezwungen werden von diesen 25 Stunden mindestens 5 Stunden einer so genannten offenen Sprechstunde anzubieten. Die Zahlen reduzieren sich entsprechend bei anteiligen Versorgungsaufträgen, z.B. wenn jemand nur halbtags arbeitet.

Versüßt werden soll dieses den Ärzten dadurch, dass diese Patienten, welche durch diese offene Sprechstunde behandelt werden, einen Aufschlag auf die Vergütung bekommen, zusätzlich Patienten die innerhalb der letzten vier Jahre nicht in der Praxis behandelt worden sind einen weiteren Aufschlag bekommen sollen. Wir reden hier in Hessen von maximal drei Euro pro Patient!

Des weiteren ist nicht geplant, dass diese zusätzliche Menge an Patienten durch eine Ausweitung der Budgets ebenfalls abgefangen wird. Im Klartext: Bekommen Sie ein Budget für 1100 Patienten, behandeln sie bereits 1100 Patienten und haben nun durch diese offene Sprechstunde zwangsläufig 100 Patienten mehr, überschreiten Sie Ihr Budget um 100 Patienten!

Diesen Irrsinn erfreut sicherlich die gesamte Ärzteschaft!!

Um diese Schieflage zu umgehen, bleibt eigentlich der Ärzteschaft nur die Möglichkeit, wiederum die reguläre Sprechstunde um genau diese Stunden Zahl einzuschränken.

Das bedeutet im Klartext für alle Patientinnen und Patienten, welche reguläre Termine haben, Sie dürfen noch länger darauf warten, weil zwangsweise für eine offene Sprechstunde Zeiten abgezweigt werden.

Das nennt man wohl perfektes ausspielen von verschiedenen Patientengruppen gegeneinander.

Jameda mal positiv?

Das Ärztebewertungsportal ist ja, durchaus auch zurecht, in der Kritik. Heute in der Ärztezeitung mal ein Ergebnis als Abfallprodukt der Bewertung von Ärzten. Es geht um das in der Öffentlichkeit heis geredetet Thema Wartezeiten auf einen Termin. Jameda hat reichlich Bewertungen von Ärzten und Ärtztinnen in der Datenbank, dabei wird auch immer nach der Zufriedenheit mit der Wartezeit auf einen Termin beim gewünschten Arzt gefragt. Geht man durchaus davon aus, dass im Netzt erheblich kritischer bewertet wird, als im persönlichen Kontakt ist das Ergebnis im Gegensatz zu den Äußerungen der Politiker interessant.

Beide Patientengruppen, Privat wie Kasse sind mit der Wartezeit auf einen Termin zufrieden. Die privat Versicherten etwas mehr (Schulnote 1.57), die Kassenpatienten etwas weniger als die privat Versicherten (Schulnote 1.87). Einwänden könnte man jetzt, dass alle Patienten, welche aus Frust aufgegeben haben, keine Bewertung abgeben würden. Stimmt nicht ganz, auch wir haben bereits negative Kommentare bekommen, weil man als Neupatientin keinen Termin bekommen hatte.

Die englische Notfallversorgung am Boden

Das englische Gesundheitssystem wird akut gerade erheblich belastet. Durch die saisonal bedingte Krankheitswelle müssen massenhaft Krankenhäuser geplante Operationen und Eingriffe auf unbestimmte Zeit verschieben und können sich teilweise nicht einmal mehr um ambulante Dienste kümmern. Es kommt vielfach zu chaotischen Szenen mit Wartezeiten in den Ambulanzen von bis zu 12 Stunden. Gründe sind aber nicht nur die winterliche Häufung von Erkrankungen, sondern auch die mittlerweile sehr dünne Personaldecke. Die Ambulanzen und Krankenhäuser können nicht auf genügend Personal zur Bewältigung dieses Ansturmes aufbringen, einfach weil keines vorhanden ist.

Zum Vergleich – Momentan werden ca 3.300 Operationen in einer Woche verschoben. Das wäre in etwa so, als wenn in Frankfurt alle Krankenhäuser eine Woche lang nichts operieren würden! Überschlagsmäßig rechnen offizielle bereits mit über 50.000 verschobenen Operationen bis Ende des Monats. Wenn man dann noch weis, dass die Wartezeit auf eine Hüftoperation in England durchaus mal 12 Monate beträgt……..